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AUFRUF ZUM UNGEHORSAM

AUFRUF ZUM UNGEHORSAM

Die römische Verweigerung einer längst überfälligen Kirchenreform und die fortdauernde Untätigkeit der Bischöfe lässt uns keine andere Wahl als – unserem Gewissen folgend – selbst tätig zu werden. Wir Priester wollen künftig Zeichen setzen:

1. WIR WERDEN in Zukunft in jedem Gottesdienst eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen. Wir nehmen das Bibelwort ernst: Bittet, und ihr werdet empfangen. Vor Gott gilt Redefreiheit.

2. WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern. Das gilt besonders für Geschiedene-Wiederverheiratete, für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und fallweise auch für Ausgetretene.

3. WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.

4. WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Sonntagspflicht in priesterarmer Zeit.

5. WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.

6. WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.

7. WIR WERDEN deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. Wir sehen in ihnen willkommene Kolleginnen und Kollegen im Amt der Seelsorge.

Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, sowie auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten. Beide Gruppen folgen mit ihrer Entscheidung ihrem Gewissen - wie ja auch wir mit unserem Protest. Wir sehen in ihnen ebenso wie im Papst und den Bischöfen "unsere Brüder". Was darüber hinaus ein "Mitbruder" sein soll, wissen wir nicht. Einer ist unser Meister - wir alle aber sind Brüder und Schwestern (sollte es unter Christinnen und Christen allerdings heißen). Dafür wollen wir aufstehen, dafür wollen wir eintreten, dafür wollen wir beten. Amen.

Dreifaltigkeitssonntag, 19. Juni 2011

Vorstand

Seit 1. April 2019 gehören dem Vorstand der Pfarrer-Initiative 15 Pfarrer und Diakone aus allen Diözesen Österreichs an. Namentlich: Helmut Schüller (Wien), Hans Bensdorp (Wien), Gerald Gump (Wien), Wolfgang Payrich (St. Pölten), Franz Großhagauer (St. Pölten), Arno Jungreithmair (Linz), Christian Öhler (Linz), Hans-Peter Premur (Gurk-Klagenfurt), Josef Klaus Donko (Gurk-Klagenfurt), Gidi Außerhofer (Salzburg), Josef Wilfing (Graz-Seckau), Bernhard Kranebitter (Innsbruck), Erich Baldauf (Feldkirch), Stefan Biondi (Feldkirch), Paul Röttig (Eisenstadt).

VEREIN

Der Verein "Pfarrer-Initiative" hat seinen Sitz in Wien und ist über österreichische Grenzen hinaus aktiv. Zweck unserer gemeinnützigen Arbeit ist die Förderung einer offenen Diskussion über aktuelle Fragen und Probleme der römisch-katholischen Kirche.

GRÜNDUNGSERKLÄRUNG

Wir Pfarrer beobachten mit drängender Sorge und wachsender Unzufriedenheit, wie die Leitungsverantwortlichen in den Ortskirchen und in der Weltkirche derzeit mit den großen offenen Fragen und Problemen in unserer Kirche umgehen.