Sonntag 30. April 2017

Aufruf zum Ungehorsam

Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbständig tätig zu werden. Wir Priester wollen künftig Zeichen setzen!

 

1. WIR WERDEN in Zukunft in jedem Gottesdienst eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen. Wir nehmen das Bibelwort ernst: Bittet, und ihr werdet empfangen. Vor Gott gilt Redefreiheit.

 

2. WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern. Das gilt besonders für Geschiedene-Wiederverheiratete, für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und fallweise auch für Ausgetretene.

 

3. WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.

 

4. WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Sonntagspflicht in priesterarmer Zeit.

 

5. WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.

 

6. WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.

 

7. WIR WERDEN deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. Wir sehen in ihnen willkommene Kolleginnen und Kollegen im Amt der Seelsorge.

 

Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, sowie auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten. Beide Gruppen folgen mit ihrer Entscheidung ihrem Gewissen - wie ja auch wir mit unserem Protest. Wir sehen in ihnen ebenso wie im Papst und den Bischöfen "unsere Brüder". Was darüber hinaus ein "Mitbruder" sein soll, wissen wir nicht. Einer ist unser Meister - wir alle aber sind Brüder und Schwestern (sollte es unter Christinnen und Christen allerdings heißen). Dafür wollen wir aufstehen, dafür wollen wir eintreten, dafür wollen wir beten. Amen.

 

Dreifaltigkeitssonntag, 19. Juni 2011

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Presseschau

〉 "Provokation für die Bischöfe"

  Die Presse 15.04.2017

 

〉 Papst-Interview in der ZEIT

  DIE ZEIT 08.03.2017

 

〉 Studiogespräch mit Pfarrer Schüller

  ORF-Orientierung 26.02.2017

 

〉 Schönborns Reform: Priester skeptisch

  Die Presse 17.02.2017

 

〉 Fünf Jahre "Aufruf zum Ungehorsam"

  Die Presse 19.06.2016

 

〉 Papst Franziskus als "Ungehorsamer"

  apa/ORF 23.12.2015

 

〉 "Charamsas Coming-out mutig"

   ORF 06.10.2015

 

〉  Ein Ungehorsamer als Flüchtlingshelfer

   meinbezirk 15.09.2015

 

〉 "Auf den Pfarrer kommt es an"

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WIR WERDEN UNS DAFÜR EINSETZEN, DASS JEDE PFARRE EINEN EIGENEN VORSTEHER HAT: MANN ODER FRAU, VERHEIRATET ODER UNVERHEIRATET, HAUPTAMTLICH ODER NEBENAMTLICH.

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